Prämierungsfeier der Maturitätsarbeiten 2026

Gibt es bei Kappengibbons auch Links- und Rechtshänder? Wie übersetzt man einen neuassyrischen Keilschriftentext? Wie kreiere ich ein Modell unseres Sonnensystems – und zwar als Karussell?

Solche Fragen standen bei den prämierten Schülerinnen und Schülern vor einem Jahr am Anfang ihres Maturitätsarbeitsprozesses. Zwölf lange Monate beschäftigten sie sich mit diesen Fragen und schrieben ganz nebenbei noch ihre Vormaturität und meisterten den Schulalltag. An der Prämierungsfeier ausgezeichneter Maturitätsarbeiten ging es nun darum, diese herausragenden Leistungen zu würdigen.

Welten kreieren und in Welten eintauchen – das wollten Giulia Cortesi, Jessica Esperior und Noemi von Sachs mit ihren Projekten. Doch die gewählten Methoden hätten unterschiedlicher nicht sein können. Noemi von Sachs verfasste und vertonte ein Hörspiel, das sich auf einfühlsame Art und Weise mit dem Anderssein im Jugendalter und der Bedeutung von Freundschaft in schwierigen Zeiten auseinandersetzte. Ihr gelang es, die Zuhörenden durch eine Geschichte zu führen, die zwar unter die Haut geht, aber dennoch hoffen lässt. Jessica Esperior entwarf in der 3D-Software Blender eine eigene Welt für ihren Kurzfilm “Anhedonia”, in dem sie Substanzmissbrauch auf technisch eindrückliche Art und Weise thematisierte. Mit viel Fantasie und Kreativität erschuf sie so einen Kurzfilm, der nicht nur ästhetisch stimmig ist, sondern auch die Betrachtenden schonungslos mit dem Kampf gegen eine Abhängigkeit konfrontiert. Würden wildfremde Menschen auf der Strasse einem einfach ihre Geschichte erzählen? Dies wollte Giulia Cortesi herausfinden und ging auf die Suche nach Biografien, die sie in ihrem Erzählband «Im Vorbeigehen» zu Kurzgeschichten verarbeitete und mit Fotografien anreicherte. Das Resultat: 15 packende und bewegende Einblicke, die zeigen, dass jeder Mensch eine spannende Geschichte in sich trägt.

Wer glaubt, laktoseintolerant zu sein, ist dies genetisch noch lange nicht. Zu dieser Erkenntnis kam Cate Zettel, als sie Probandinnen und Probanden auf ihre Genetik untersuchte, um zu sehen, ob die (Selbst-)Diagnose auch mit der genetischen Analyse übereinstimmte. Auf gründlichem, wissenschaftlich anspruchsvollem Weg verpackte sie ihre Untersuchung in eine Arbeit, die nicht nur inhaltlich, sondern auch gestalterisch überzeugt.

Salome Kümmerle wollte als begeisterte Leichtathletin herausfinden, ob das Supplement Beta Alanin einen Einfluss auf die Leistung bei Hobbyathleten und -athletinnen hat. Sie liess dafür ihre Probandengruppe einen 400-Meter-Lauf an ihrer Leistungsgrenze absolvieren, verabreichte ihnen danach vier Wochen lang Beta Alanin und liess diese danach wieder gegen ihre eigene Zeit antreten. Erstaunlicherweise liess sich hier keine Leistungssteigerung beobachten, jedoch konnte Salome Kümmerle zahlreiche Hypothesen zu dieser Beobachtung aufstellen. Sie erklärte im Theorieteil ebenfalls auf eindrückliche Weise den biologischen Einfluss dieser Aminosäure auf den Übersäuerungsprozess der Muskeln.

Die nächste Arbeit entführt uns in den Zoo Zürich: 40 Stunden hat Selina Dörig dort Kappengibbons beobachtet und minutiös Handbewegungen in einem eigens entworfenen Raster katalogisiert, um herauszufinden, ob unsere haarigen Verwandten wie auch wir Handpräferenzen haben. Sie fand dabei heraus, dass dies tatsächlich der Fall ist, dass ein Kappengibbon, Khmer, Linkshänder ist und dass die Präferenzen immer auch situativ unterschiedlich sein können. Ihr gelang somit nicht nur eine enorm eigenständige Arbeit, sondern sie leistete mit ihrer Untersuchung einen Forschungsbeitrag zu einem Tier, das leider weltweit vom Aussterben bedroht ist.

Emilia Skolik beschäftigte sich mit der wohl wichtigsten medizinischen Errungenschaft des 20. Jahrhunderts: dem Antibiotikum. Sie wollte wissen, wie sich die Herstellung des Antibiotikums Sulfathiazol mittels klassischen Rückflusskühlers mit der Herstellung mit einem Mikrowellenreaktor vergleichen lässt. Sie fand heraus, dass der Mikrowellenreaktor nicht nur viel schnellere Resultate liefert, sondern auch viel ergiebiger in der Ausbeute ist. Vom umfassenden Theorieteil hin zur eigenständigen Untersuchung in Zusammenarbeit mit der PHSG bis zur fachkundigen Analyse und Auswertung lieferte Emilia Skolik eine mustergültige Arbeit ab. Vom mikroskopisch Kleinen ging es dann weiter zum astronomisch Grossen: Jasmin Küttel veranschaulichte unser Sonnensystem und machte daraus ein Mini-Karussell. Mit unzähligen mathematischen und physikalischen Berechnungen kreierte sie ein Modell des Sonnensystems mit den ersten vier Planeten und liess diese sowohl um die Sonne rotieren als auch in der proportionalen Winkelgeschwindigkeit um die eigene Achse. Sie brachte sich dafür nicht nur das 3D-Modellieren bei, sondern auch das 3D-Drucken und erschuf so eine spannende, kreative und eigenständige interdisziplinäre Arbeit. In die antike Welt Mesopotamiens tauchte Benjamin Vollenweider in seiner Untersuchung ein. Er verfasste eine Neuedition des assyrischen Texts “Ischtars Höllenfahrt”. Um dies zu können, musste er sich zunächst die Keilschrift wie auch die assyrische Sprache beibringen – wofür er eigens Kurse an der Universität Zürich besuchte. Ihm gelang durch diese hochspezialisierte Untersuchung eine hervorragende Maturitätsarbeit, und er leistete damit einen eigenständigen Forschungsbeitrag auf diesem Gebiet.

Aus all diesen prämierten Arbeiten wurden für die kantonale Ausstellung in Zürich die Maturitätsarbeiten von Benjamin Vollenweider («a-na KUR.NU.GI4.A»: Eine Übersetzung des assyrischen Textes «Ischtars Höllenfahrt» und eine Einführung in die Keilschriftkultur) und Selina Dörig (Die Handpräferenz bei Kappengibbons – Eine Verhaltensbeobachtung im Zoo Zürich) ausgewählt und ausgezeichnet. Wir gratulieren allen prämierten Schülerinnen und Schülern zu ihren hervorragenden Leistungen!

Text: Dustin Gygli, Deutschlehrperson

Fotos: Simon Dähler, 6a