Abstimmungspodium an der KZI
Die Schülerinnen und Schüler der KZI erwerben in ihrem Curriculum verschiedene Kompetenzen und Kenntnisse, um in einer offenen, demokratischen Gesellschaft Orientierung und Teilhabe zu finden. Sie eignen sich staatskundliches Wissen an und lernen, sich eine Meinung zu bilden und diese in Debatten argumentativ durchzusetzen oder zu verteidigen. Im Verlauf der letzten Semester an der Schule werden die meisten Schülerinnen und Schüler volljährig und erlangen bei entsprechendem Bürgerrecht das Stimmrecht. Für einige der Schülerinnen und Schüler ist die Abstimmung über die Neutralitätsinitiative die erste, bei der sie dieses wahrnehmen dürfen. Die Durchführung von Abstimmungs- und Wahlpodien an der KZI ermöglicht eine aktive Begegnung mit Politikerinnen und Politikern, unterstützt die Meinungsbildung und erlaubt ein kritisches Beobachten von Debattierprofis.
Wie debattieren Profis?
Beim Podium zur Abstimmung über die Neutralitätsinitiative traten für die Befürwortenden Anita Borer (Kantonsrätin SVP) und Mauro Tuena (Nationalrat SVP), sowie für das Kontralager Nicole Barandun (Nationalrätin Die Mitte) und Victor Legler (Operation Libero) in den Ring.
Die Moderation durch die Geschichtslehrpersonen Nicolas Brunner und Renato Bühler führte zuerst zu den historischen Wurzeln der helvetischen Neutralität. Das SVP-Lager verortete die schweizerische Neutralität weit zurückliegend bei der Schlacht bei Marignano, während das gegnerische Lager den einen Schüler oder die andere Schülerin an den Wiener Kongress und spätere historische Ereignisse erinnerte. Schon in den ersten Wortwechseln wurde erkennbar, dass sich politische Meinungen klar auf die Deutung historischer Entwicklungen auswirken. Es geht in der Politik weniger um differenzierte historische Darstellungen, sondern mehr darum, das Publikum mit eigenen Deutungen zu überzeugen. In den Streitpunkten zu den Kernfragen der Neutralitätsinitiative wurde dann umso deutlicher, dass die Durchsetzung eigener politischer Standpunkte im Abstimmungskampf dominiert, und die Politikerinnen und Politiker gegenüber gegnerischen Argumenten keine Kompromisse eingehen wollen. Pointierte Aussagen sollen werben, aber vielleicht auch unterhalten – sprich, das Publikum umgarnen.
Fazit einer 80-minütigen Debatte
Das Wortgefecht der vier Gäste blieb während der ganzen Debatte über intensiv, anregend und durchaus fair. Die wichtigsten thematischen Schwerpunkte, wie die Sanktionen oder die Rolle der Schweiz als Vermittlerin, wurden besprochen, wobei auch die Fragen des Publikums Eingang in die Diskussion fanden. Die Schülerinnen und Schüler beurteilten das Podium als sehr anschauungsreich und äusserst unterhaltsam. Auch das Feedback der Gäste zum KZI-Podium fiel durchwegs positiv aus. In der abschliessenden digitalen Meinungsumfrage positionierte sich die grosse Mehrheit der Schülerinnen und Schüler klar, wobei das Nein-Lager deutlich mehr Zustimmung generieren konnte.
Renato Bühler, Fachschaft Geschichte